Nun dauerhaftes Zeichen der Erinnerung an das Schicksal einer jüdischen Familie
Am 13. August 2025 wurden auf dem Markt 6 in Werdau vier Stolpersteine zum Gedenken an die jüdische Familie Ringer verlegt. Die Umsetzung dieser wichtigen Erinnerungsaktion ist in besonderem Maße dem Engagement und den gründlichen Recherchen von Jens Kunze zu verdanken.
Zur Verlegung der Gedenksteine waren auch zwei Nachfahrinnen der Familie mit ihren Angehörigen angreist: Monica Mühleise und Marjorie Mühleise Danzer, Urenkelinnen von Martha Ringer. Sie nahmen persönlich an der Zeremonie teil und sorgten auch für die musikalische Umrahmung.
Das Kaufhaus Ringer war im Jahr 1900 von Bernhard Ringer gegründet worden und befand sich ab 1906 auf dem Markt 6 in Werdau. Bernhard und seine Frau Martha hatten zwei Kinder: den Sohn Hans und die Tochter Charlotte. Während der Novemberpogrome 1938 wurden das Geschäft sowie die privaten Wohnräume der Familie von Bürgern aus Werdau gewaltsam angegriffen. Bernhard und Hans Ringer wurden daraufhin in sogenannte „Schutzhaft“ genommen und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Martha Ringer und ihre Schwiegertochter Ruth flohen nach Leipzig in ein Judenhaus.
Unter der Bedingung, vollständig auf ihr Eigentum zu verzichten, wurden Bernhard und Hans im November bzw. Dezember 1938 aus dem KZ entlassen. Charlotte gelang mit ihrem Ehemann die Auswanderung nach Brasilien. Bernhard und Hans zogen mit ihren Familien nach Leipzig, wo Bernhard Ringer 1940 verstarb. Seine Witwe Martha wurde 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert, Hans und seine Ehefrau Ruth 1943 nach Auschwitz. Hans Ringer kam dort ums Leben.
Das Kunstprojekt Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig bewahrt die Erinnerung an die Menschen, die zwischen 1933 und 1945 durch das nationalsozialistische Regime entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Die kleinen Gedenksteine – zehn Zentimeter große Betonquader mit einer Messingplatte – werden vor den letzten selbstgewählten Wohnorten der Opfer in das Straßenpflaster eingelassen. In die Oberseite sind Name, Geburtsjahr und Lebensweg der betreffenden Person eingraviert. So entsteht ein stilles, eindringliches Mahnmal im öffentlichen Raum – ein Moment des Innehaltens und Gedenkens mitten im Alltag.
